ARTIST INFO:
PETER GRUMMICH
Wer glaubt, ganz Deutschland hätte dem Minimal-Techno abgeschworen, weil größtenteils nur noch im Bombast-Outfit mit Geträller, Shouts, Cuts, Bollerkram und mindestens einem obligatorischen Gitarrenriff produziert wird, sollte Peter Grummichs neues Album „Switch Off The Soap Opera“ hören. Als überzeugter Minimalist kennt der die Geilheit des Geizes ganz genau und spart gar am eigenen Leibe, wurde er doch lediglich in Unterhose in der Panoramabar... Read moreARTIST INFO:
PETER GRUMMICH
Wer glaubt, ganz Deutschland hätte dem Minimal-Techno abgeschworen, weil größtenteils nur noch im Bombast-Outfit mit Geträller, Shouts, Cuts, Bollerkram und mindestens einem obligatorischen Gitarrenriff produziert wird, sollte Peter Grummichs neues Album „Switch Off The Soap Opera“ hören. Als überzeugter Minimalist kennt der die Geilheit des Geizes ganz genau und spart gar am eigenen Leibe, wurde er doch lediglich in Unterhose in der Panoramabar Berlin gesichtet.
Klar, dass bei ihm der Reißverschluss wie geölt seine Bahnen hoch und runter zieht, so gehört auf dem Titel „Orange Moon“. Grummich, der vielleicht ein bisschen so aussieht, als beherberge er ein klapperndes Rave-Monster, das in der vergangenen Dekade in ihn hineingekrochen ist, watet gern barfuss im Bass, denn der ist anständig wattiert und freundlich zur Haut, so drei- bis vierlagig, wie er geschichtet ist.
Stolpern tut Grummich eher selten, lieber variiert er tänzelnde Tippelschritte in geraden Maßen, und kommt er mal aus dem Takt, dann war das nur ein Roboter, wie Grummich zu scherzen beliebt, denn der ist gar nicht mal so humorlos, wie einem diese Minimalmusik im Allgemeinen immer Glauben machen will. Mit seinen Augen hätte er eine Karriere als Show-Hypnotiseur machen können, doch lieber blickt er damit tief in die Seele seiner Tracks, bis sie so besehen den hypnotischen Funken übertragen, der sich im Ohr entzündet.
Das passiert, wenn die Verstrickungen in Loops einen synaptischen Abgleich suchen, was bestimmt nicht ungefährlich fürs Gehirn ist bei den Schwingungen, die da im Gange sind. Ein wenig stickig ist die Stimmung, weil es dann eben doch eine Menge tanzbarer Töne sind, die den Raum unter Druck setzen, dafür aber ist es nie kalt. Gelüftet wird erst, wenn die Party vorbei ist, was zum guten Ton einer glaubwürdigen Minimalbeschallung wie dieser gehört.
Peter Grummich ist kein Unbekannter, sagen seine Freunde, die ihn auch als Lee Anderson kennen. Dass er mit seinem Album auf Shitkatapult endlich ein zuhause gefunden hat, freut Grummich auch selbst. „Endlich habe ich ein Zuhause für mein neues Album“, sagt er. Denn das war nicht immer so. Bis dato hat er seine Tracks wie seine Unterhosen in vielen verschiedenen Plattenküchen liegenlassen, zum Beispiel bei Schnittstelle, Braintist, Kompakt, Sender, Auftrieb und zuletzt auf dem Ghostly-Ableger Spectral aus Detroit, wo er als einziger deutscher Künstler gelistet ist. Grummich ist ein Profi mit seiner ganz eigenen Orthografie, wie er selbst schreibt. Er kennt das Musikgeschäft aus dem Eff-Eff und seine erste Single war Billie Jean von Michael Jackson. Die hat er allerdings nicht selbst gemacht, sondern nur gekauft, gibt er offen zu. So viel Ehrlichkeit wird belohnt, denn Grummich ist eine Koryphäe und ein alter Hase an den Plattentellern, der ungelogen im nächsten Jahr sein 20jähriges DJ-Jubiläum feiern darf.Show less
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