editor-in-chief from GROOVE magazine, host of the radioshow Nightflight on Radio Fritz. And a smart brain for sure.
Anlässlich 20 Jahre GROOVE haben wir Heiko zum Gespräch über Musiik, Motivation und das Magazinjubiläum getroffen.
Gelegentlich bekommt man dich auch als DJ zu hoeren, diese Kombination ist ja nicht ungewöhnlich, was kam für dich zuerst: das Schreiben oder das DJing?
Definitiv das Schreiben. Als DJ würde... Read more
editor-in-chief from GROOVE magazine, host of the radioshow Nightflight on Radio Fritz. And a smart brain for sure.
Anlässlich 20 Jahre GROOVE haben wir Heiko zum Gespräch über Musiik, Motivation und das Magazinjubiläum getroffen.
Gelegentlich bekommt man dich auch als DJ zu hoeren, diese Kombination ist ja nicht ungewöhnlich, was kam für dich zuerst: das Schreiben oder das DJing?
Definitiv das Schreiben. Als DJ würde ich mich nicht bezeichnen, gelegentlich lege ich auf unseren Parties auf und moderiere noch die Radiosendung Nightflight auf Fritz. Mit ungefähr 16 Jahren habe ich begonnen für diverse Zeitungen über Musik zu schreiben, damals ging es für mich hauptsächlich um EBM, so waren meine ersten Interviews mit der deutschen Band Die Krupps und den englischen Nitzerebb. Später habe ich dann zwar ein Journalistik Studium begonnen, aber dann in Geschichte und Amerikanistik abgeschlossen. 1990/91 hat mich die Entstehung von Techno sofort fasziniert. Das Schreiben und die journalistische Arbeit bedeutet für mich eine großartige Möglichkeit die Leute dahinter kennen zu lernen.
Wann hast du begonnen für die GROOVE zu arbeiten und welcher Zufall hat dich dann zum Magazin geführt?
Vor genau 10 Jahren, also in der November / Dezember Ausgabe 1999 erschien mein erster Artikel. Thomas Koch, bekannt als DJ T. und Betreiber des Get Physical Labels, der das Magazin 1989 in Frankfurt a.M. gründete, hatte mir kurz zuvor das Angebot unterbreitet als Redakteur für die GROOVE zu arbeiten und mir gefiel die Vorstellung das Format mitzugestalten und leiten zu können. Damals wurde fast die komplette Redaktion ausgetauscht und ich schrieb als freier Autor für das Jetzt Magazin der SZ und diverse andere Tageszeitungen als freier Autor. Am Anfang pendelte ich noch nach Frankfurt, aber nach einiger Zeit wurde das Büro zu meinem Glück nach Berlin umgesiedelt. Von Anfang an konnte ich an der Gestaltung des Magazins mitarbeiten, das hat mir sofort gefallen. Bis heute pflegen wir eine sehr flache Hierarchie und alle aus der festen Redaktion beteiligen sich an der thematischen Konzeption.
Wie hat sich die öffentliche Wahrnehmung der GROOVE über die Jahre verändert und entwickelt?
In seiner jetzt 20jährigen Bestandszeit hat das GROOVE verschiedene Phasen durchlebt: in den ersten Jahren als lokales Fanzine, in der House bereits eine Rolle spielte, aber ebenso Black Music, die damals einen großen Einfluss auf die Frankfurter Szene hatte. Aus dieser Zeit stammen auch einige EuroDance Projekte, wofür ehemalige amerikanische Soldaten als Rapper angeheuert wurden, und das hat sich ebenso in der GROOVE wiedergefunden. Es gab Interviews mit Leuten wie Dr. Alban, wo man heute denkt, dass hätte eigentlich nichts miteinander zu tun. Die Szene war wesentlich kleiner und geschlossener. Es gab nicht mal genug House Veröffentlichungen, um damit ein ganzes DJ Set bestreiten zu können. Da hat man von Sven Väth auch mal eine Platte von Lisa Stansfield oder Grace Jones gehört, was heute zwar nicht undenkbar wäre, aber doch ungewöhnlich. Den DJs wurde ein Budget für Platten von den Clubs zugewiesen, für das sie dann Musik einkaufen gehen konnten, aber die Platten haben den Clubs gehört und jeder Club hatte seine eigenen DJs. Erst Ende der 90er hat sich die DJ Szene so entwickelt mit Festivals und DJs, die um die ganze Welt touren.
Das Heft ist kontinuierlich mit der Technoszene gewachsen und wurde bald überregional wahrgenommen. Ende der 90er erreichte es den Höhepunkt, wo auch ich eingestiegen bin, zu der Zeit behandelte Groove auch kommerziell sehr erfolgreiche Themen. In diesen Jahren fand man oft Künstler wie Armand van Helden, Daft Punk oder Underworld in der Groove. Da haben es Clubhits auch immer wieder in die Charts geschafft. Aus meiner Perspektive ist das ein Aspekt, der sich komplett verändert hat: mittlerweile findet Techno in den großen Medien nicht mehr statt, die Tracks aus unseren DJ Charts werden nicht im Radiotagesprogramm gespielt, die Musik verschwindet nach und nach aus dem Fokus des Mainstream, ist aber insgesamt erfolgreicher als je zuvor. Diese Diskrepanz ist für Magazine wie das GROOVE ungemein wichtig, um weiterhin die wichtigste Stimme für ein Publikum zu sein, dass sich über die Parties hinaus auch für die Musik interessiert. Und dann hat natürlich die Entwicklung im OnlineBereich auch in der Redaktion zu Veränderungen geführt: Partyankündigungen und Reviews finden in der Printversion kaum noch statt. Das macht einfach keinen Sinn mehr. Dafür gibt es längere Reportagen und Berichte, Inhalte, die man im Internet nicht findet. Wir legen mehr Wert auf die Qualität der Aritkel, dadurch ist die GROOVE deutlich journalistischer geworden.
Techno ist dem Phänonem Jugendkultur entwachsen, das kann man gut an der Entwicklung von Labels wie RasterNoton und nicht strikt clublastigen Formaten nachvollziehen. Im Berliner WMF haben wir diese Seite so vertreten, dass Ricardo Villalobos, Moritz von Oswald und Max Loderbauer gemeinsam den Stummfilm "Berlin - Die Synfonie einer Großstadt" vertonen werden. Das spricht auch ein nicht mehr ganz junges Publikum an, das mit der Musik mitgewachsen ist.
Allerdings sieht man doch immer wieder elektronische Musik in den Charts. Wieso meinst du, dass elektronische Musik nicht mehr im Mainstream stattfindet? Ist die Trennung zwischen Mainstream und Underground strikter geworden?
Durch Acts wie Justice findet sich Dance Music immer wieder in den Charts, aber das is schon eines der wenigen Beispiele. Noch vor einigen Jahren standen alle DJs im Rampenlicht, die etwas mit Techno zu tun hatten, das lag mit Sicherheit auch daran, dass die Musik neu war und jetzt nach 20 Jahren kann man es fast als erwachsenes Genre, eine Musikrichtung mit Geschichte, betiteln. Insgesamt wurde mehr über die Szene berichtet, in allen wichtigen Zeitungen wie der SZ oder dem Spiegel war Techno mal ein Thema. Die Trennung zwischen Mainstream und Underground sehe ich heute lockerer als je zuvor. Anfang der 90er haben sich Produzenten noch dem Sound verschrieben, weil er neu war und sich gutes Geld damit verdienen ließ, siehe Beispiele wie U96 oder Mark O. Bei anderen Acts wie Daft Punk kann man das wieder nicht so eindeutig sagen: die haben sich aus der Szene entwickelt und sind einfach extrem populär geworden. Da muss man eher die Auszeichnung mit Underground oder Mainstream hinterfragen und inwiefern das von den äußeren Umständen abhängt: kann jemand Mainstream werden, der seit zehn Jahren die gleiche Musik macht, aber auf einmal als Star gehypt oder kommerziell erfolgreich wird?
Was sind eure Beweggründe ein Format wie das GROOVE zu betreiben und wie kann man sich euer Tagesgeschäft vorstellen?
Die allerwichtigste Motivation für die gesamte Redaktion ist die ständige Entstehung und Entwicklung von neuer Musik, die die Kraft hat uns alle zu begeistern. Momentan kommen schon einige spannende Sachen raus, aber es gab Phasen, in denen mehr passiert ist. In den letzten Jahren entstand was ganz Neues durch die Kombination von elektronischer Musik mit anderen Genres, wie traditioneller amerikanischer oder südafrikanischer Musik. Das war für uns zum Beispiel sehr spannend
Vier Redakteure arbeiten jeden Tag an dem Heft, dazu kommen Grafikdesigner, Fotografen, Anzeigenverkäufer und freie Mitarbeiter. Das Kernteam arbeitet bereits relativ lange zusammen und wir ergänzen uns mit unseren unterschiedlichen Ansichten und Geschmäckern. Dadurch gibt es immer wieder hitzige Diskussionen über die Inhalte der nächsten Ausgabe. Die Arbeit in so einem kleinen Team kann man sich sehr familiär vorstellen. Wir besuchen uns auch oft gegenseitig zu Hause, um dort konzentriert Musik zu hören und sich gegenseitig neue Sachen vorzustellen.
20 Jahre sind sicher ein Anlass zurückzublicken, aber auch ein guter Moment für neue Pläne? Wie sehen deine Perspektiven für die Zukunft aus?
Vor allem hat sich die Groove positioniert, inhaltlich und strukturell verändert. Wir entwickeln keinen Plan für die nächsten 20 Jahre, aber ich finde es äußerst spannend zu sehen, was im Moment in der Musiklandschaft und im technologischen Bereich passiert. Im Rahmen des Jubliäums haben wir nochmal einige alte Ausgaben durchgeblättert und dabei enteckt, dass eine Save The Vinyl Diskussion bereits in der ersten Ausgabe vor 20 Jahren behandelt wurde und das Thema ist seit einigen Jahren wieder sehr präsent. Da fragt man sich dann schon: sprechen die Leute in 20 Jahren immer noch darüber? Sicher ist: solange die Musik noch Relevanz hat, wird es auch die GROOVE geben.
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