„Mögen alle Wesen Glück erfahren“, lautet eine der gut gemeinten Drohungen des Rappers aus Lüdenscheid. 2008 hatte er zwei eindringliche Texte auf dem Remixalbum des Berliner Produzenten Zenit. 2003 war er auf Roey Marquis „Samsara“ Album zuhören. Vor vier Jahren veröffentlichte er sein, von Roey Marquis produziertes, Debutalbum „Dein Zeichen“ auf Ming Dynasty. Der war 2001 durch seine Maxi "Unscheinba aber da" bei dem... Read more
„Mögen alle Wesen Glück erfahren“, lautet eine der gut gemeinten Drohungen des Rappers aus Lüdenscheid. 2008 hatte er zwei eindringliche Texte auf dem Remixalbum des Berliner Produzenten Zenit. 2003 war er auf Roey Marquis „Samsara“ Album zuhören. Vor vier Jahren veröffentlichte er sein, von Roey Marquis produziertes, Debutalbum „Dein Zeichen“ auf Ming Dynasty. Der war 2001 durch seine Maxi "Unscheinba aber da" bei dem Label PDNTDR auf ihn aufmerksam geworden. Seitdem war er nicht untätig und hat im Untergrund seine Schwerter geschärft. Er war nie weg aber auch noch nicht richtig da, wie es der Titel der Maxi schon vermuten ließ. Das wird sich hoffentlich mit dem „Buch der drei Ringe“ ändern. Er hat sich nicht neu erfunden, sondern die Suche fortgesetzt. Seinen Stil fein justiert. Sicher kein Rapper den man zum Feind haben will, egal welches Feld man bestellt. Absztrakkt meint Rap ist Psychologie. Dazu gibt es der Ming Dynasty folgend eine großzügige Dosis ostasiatische Philosophie. Die Tracks seines neuen Albums sind in drei Ringe unterteilt: Seele, Körper und Geist. Metaphern und Artwork verdeutlichen diesen Reigen. Mit eisernem Willen und straightem Flow hat er sich auf den Weg gemacht, um hier ein bisschen Verunsicherung und dort ein wenig Staunen zu hinterlassen. Ein intensives und forderndes Album, das man oft hören muss, bis man jedes Detail verstanden hat. Absztrakkt erschafft mit Hilfe von Roey Marquis eine in sich geschlossene phantastische Welt aus Allegorien. Eine Welt die an Wichtigkeit gewinnen wird, wenn die alte Hip Hop Welt untergegangen ist. Weitere Mitglieder des X-Men Klans wie Defekt36, Questgott oder Phantomas kommen zu Wort. Verschwörungs- als auch Selbstfindungstheorien werden mythologisch aufgearbeitet. Diese „literarische“ Form, wurde hier konsequent ins Battlezeitalter überführt. Es ist schwer auszumachen, wo der Battlerap aufhört und die Selbstreflektion anfängt. Aber das ist auch nicht mehr wichtig, denn man ist ganz bei Absztrakkt, wenn er die Grenzen fließen lässt, während er bissige Wörter domptiert. Manchmal vermisst man die direkte Anbindung zum Alltäglichen, oft die Leichtigkeit. Aber wieso sollte man dem hinterher trauern, wenn man in eine Welt eintauchen kann, wo noch alles Bedeutung hat. Absztrakkts letzte Worte gewähren kaum eine Verschnaufpause: „Der Kampf geht weiter - privat und gesellschaftlich“. Klingt viel versprechend!
Textquelle: Backspin #102, Bianca Ludewig Show less
COMMENTS [0]